Premierenpublikum feierte den alten „Faust“ in neuem Gewand

Susanna Fofana in den Lübecker Nachrichten vom 13.1.2018

Bad Oldesloe

Stürmischer Applaus im Oldesloer KuB-Saal nach der „Faust“-Premiere. Das musikalische Traumspiel von Regisseur Jürgen E. Weber wurde begeistert gefeiert. (…)

Die Studenten strahlten nach dem Singspiel genauso wie Regisseur Weber und der musikalische Leiter Robert Roche, während sie sich immer noch einmal mit ihren roten Rosen in den nicht enden wollenden Applaus der Premierengäste verneigten. Kaum zu glauben, dass die Kreisstadt sich mit dem Opernprojekt diese tolle Partnerschaft mit der Lübecker Musikhochschule aufs Land holen konnte. Es war fast so ein Gefühl wie vor vielen Jahren, als Peter Zadek einmal eine Shakespeare-Premiere quasi als Vorpremiere vor Hamburg in Bad Oldesloe zeigte.

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„Es ist wundervoll. Ich bin total glücklich, diese Opernprojekte im Haus zu haben“, freute sich Oldesloes KuB-Chefin Inken Kautter. Sie seien „experimentell, mutig, qualitativ extrem gut und musikalisch spannend.“ Zum dritten Mal ist Robert Roche als musikalischer Leiter dabei. „Man strebt immer Perfektion an“, betonte er. Die Musikstudenten sollten lernen, zuzuhören. „Das ist gelungen“, so Roche. (…)

 

„Beeindruckend, musikalisch grandios. Neben der Musik professionell und gut. Vor allem toll, was für Bilder mit Licht und Maske erzeugt wurden. Eine großartige Inszenierung“, lobte Heiko Vosgerau.

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„FAU“ und eine Zeile darunter „ST“ stand handschriftlich auf der dunklen Bühnentür, die zu Beginn in der Bühnenmitte unter dem braunen Pappsegel stand, auf dem man „Faust“, „Mephisto“ und „Gretchen“las. Dann ging das Licht aus und der erste Applaus begrüßte zunächst die Musiker des Kammerorchesters.

Schnell wurde klar: Faust ist immer der Darsteller, der gerade den langen Wollbart trägt, zu Mephisto wwurde der- oder diejenige mit der roten Perücke, während das jeweilige Gretchen mit einem hippieartigem Kopfschmuck daherkam. Mal ging es um Liebe, mal um Leid. Und zu lachen gab es zwischendurch auch immer mal wieder etwas. Es wurde gekuschelt und getanzt. Strahler in vielen Farben tauchten die Bühne in ein ständig wechselndes Licht. Bevor es dann auch noch Bühnennebel gab und Gretchen und Faust sich weiße Engelflügel auf den Rücken banden.

Während die Premierengäste noch bei Getränk und Schnittchen mit den Künstlern plauschten, saß der Regisseur bereits mit der Prüfungskommission der Lübecker Musikhochschule zusammen. Denn für einige Studenten floss deren Bewertung in die Bachelor-Note ein. Für Regisseur Weber wurde die Oldesloer Premierennacht noch länger. Er flog weiter nach China und in die USA um Filmpreise entgegenzunehmen.

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„Das wird gut, glaub’ ich“

Artikel von Peter Intelmann in den

Lübecker Nachrichten vom 09. 01. 2018

Was wird aus jemandem, der mit 14 Wagnerianer ist? Regisseur vielleicht. Einer, der die Oper auch im frühen 21. Jahrhundert für zeitgemäß hält, „absolut“. Jürgen Weber war mit 14 Wagnerianer, Regisseur ist er auch geworden. Und seit 2017 lehrt er an der Musikhochschule Lübeck.

Mit der Cola in der Hand: Regisseur und Musiktheater-Dozent Jürgen Weber (54) im Großen Saal der Musikhochschule Lübeck.

Lübeck. Wobei er dort eigentlich zwei Dinge tut: Zum einen ist er Dozent in Sachen Musiktheater, zum anderen arbeitet er mit Studenten an einem „Faust“-Projekt. Übermorgen hat es in Bad Oldesloe Premiere, Ende Januar ist es auch in Lübeck zu sehen.

Das Konzept für den „Faust“ hatte er vor Jahren für Ulrich Wildgruber geschrieben, den großen Hamburger Schauspieler, der sich 1999 das Leben nahm. Das Stück hat es nie auf die Bühne geschafft.

Aber als aus Lübeck die Frage nach Material für ein Projekt kam, hat er den Stoff geschickt. Der gefiel, man sagte: „Super, mach’ das“, seither macht er das. Und im Oktober kam noch die Dozentur hinzu.

Webers „Faust“ ist ein „musikalisches Traumspiel“. Der alte Magister blickt zurück auf sein Leben, seinen Pakt, seine Schuld. Es gibt Musik von Berlioz und Mahler, von Verdi und Wagner, und die neun Gesangsstudenten übernehmen abwechselnd die Rollen des Alten, von Gretchen und Mephisto.

Weber kennt ihre Situation. Er hat selbst in Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater studiert. In den 80er Jahren war das, Musiktheater-Regie bei Götz Friedrich. Und danach hat er eine Menge von dem abgedeckt, was der Kreativbereich so bereithält.

Er hat Opern inszeniert und Drehbücher geschrieben. Er hat in Berlin an der Universität der Künste unterrichtet, war Regisseur bei Fernseh-Seifenopern wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und bei „Löwenzahn“ im Kinderkanal. Er hat Arte-Dokumentationen und Arztserien gedreht. Er hat eine „Zombie“-Oper für 2020 in Arbeit und für seinen ersten Spielfilm „Open Wound“ eine Menge Preise bekommen.

Beim zweiten spielt er selbst die Hauptrolle, und Ende dieses Jahres soll in Bonn „Marx in London“ Premiere haben. „Eine komische Oper über Karl Marx“, sagt er. „Das wird gut, glaub’ ich.“

(…)

„Zombie“-Oper also, Schlingensief, „OP ruft Dr. Bruckner“ – Jürgen Weber hält nicht viel von gängigen Mustern. Da fliegen eine Menge Dinge um ihn herum, die andere nur schwer zusammenbinden können.

Er selbst aber kann das sehr wohl. Und zur Not hält er einer Opernsängerin auch mal einen kleinen, eindringlichen Privatvortrag über Jackie Chan. Also über den großen Jackie Chan, der zahllose Actionfilme gedreht hat, der die Renten seiner Stuntleute bezahlt und als jemand mit Pekingopern Ausbildung bei der Eröffnungsfeier von Olympia 2008 vor einer Milliarde Menschen gesungen hat.

Das klingt anstrengend und ist es wohl auch. „Natürlich überfordere ich mich oft“, sagt er. „Aber das ist ja das Wesen von Kunst. So wie Beethoven bei der 9. Sinfonie Sachen für Fagott geschrieben hat, die gar nicht spielbar sind. So was finde ich cool. Dann muss man halt üben, üben, üben. Oder ein neues Fagott bauen.“

(…)

Belehren? Nein, darum geht es ihm nicht. „Ich will keine Botschaften verbreiten“, sagt er. Er nehme die Oper ernst, die Musik und das Libretto. Wenn bei Verdis „Aida“ Ägypten nicht mehr kenntlich werde, laufe etwas falsch. Unterhaltung sei ein wichtiges Element, keine Frage. Aber das heiße nicht Eskapismus, heiße nicht Flucht. „Es geht darum, dass man die Leute bei der Stange hält“, sagt er.

Es gibt viel zu tun.

FAUST Rehearsal ‘Marguerite in Church’

 

 Ko Hyunsik​ as GRETCHEN and Annemarie Wolf as the EVIL SPIRIT

 

Gretchen:

I’m so stifled!

The pillars of the walls

Imprison me!

The arches

Crush me! – Air! 

The Evil Spirit:

Hide yourself! Sin and shame

Cannot be hidden.

Light? Air?

Misery, to you!

Choir (Verse 7: ‘What shall I say in that misery, who shall I ask to speak for me, when the righteous will be saved, and barely?’)

Quid sum miser tunc dicturus,

Quem patronum rogaturus,

Cum vix Justus sit securus?

 

The Devil is everybody!

In this case we see Ko Hyunsik  as Mephisto and Erwan Tacher  es Faust.In the background Hussein Atfa  as Margarethe’s brother Valentin. Later they will swap roles. Everybody is at some moment during the play Mephisto or Faust.

 

 

 

And: Swap! Now Erwan Tacher is Mephisto. Here with Anna Maria Wünsche  as the ambitious Flea and Tania Renz as Tailor. Hussein Atfa  and Ko Hyunsik  as Chorus!

 

 

Rehearsal for Margaret’s death…

Anna Maria Wünsche is Gretchen             Caspar Krieger is  Faust

Music: Paul Dessau

FAUST:  In truth, the eyes of one who’s dead are those,
Which there was no fond, loving hand to close;
That is the breast that Gretchen offered me,
That is the body sweet that I enjoyed.
How strange that such a lovely neck
A single band of crimson must bedeck!
A knife’s edge scarcely seems less wide.

MARGARET:  Who, headsman, ever had this power
Over me to give?
You fetch me at the midnight hour!
Be merciful and let me live!

FAUST:  No prayers help here and naught I say,
So I must venture to bear you away.

MARGARET: Let me alone! No, I’ll not suffer force!
Don’t pounce so murderously on me!
I have done all for love of you.

My mother, the whore,
She has murdered me!
My father, the rogue,
He has eaten me,
My sister, so small,
My bones, one and all,
In a cool place did lay.
A forest bird fair I became that day;
Fly away! Fly away!

My mother I have slain.
My child I’ve drowned! It’s true!
Was it not given to me and you?

FAUST:  Let what is done and over, over be!
You’re killing me.

MARGARET:  Kiss me! Do!
Or I’ll kiss you!

Oh, woe! Your dear lips are so cold,
Are still!
Where has your loving
Been roving?
Who did me this ill?

Henry! I shrink from you!

FAUST’S BEARD…

FAUST

But with my beard so long I may
Quite lack life’s free and easy way.
In this attempt no luck will come to me;
I never fitted in society at all.
With other men I feel myself so small;
I’ll feel embarrassed constantly.                              8f4b973751f0c10f043b79983551ed20

 

FAUST
Allein bey meinem langen Bart
Fehlt mir die leichte Lebensart.
Es wird mir der Versuch nicht glücken;
Ich wußte nie mich in die Welt zu schicken,
Vor andern fühl’ ich mich so klein;
Ich werde stets verlegen seyn.

 

Erwan Tacher                                                                               Ko Hyunsik

Erwan Tacher                     Sarkis Mzikyan    Ko Hyunsik

 

Caspar Krieger     Natalija Valentin

 

Caspar Krieger            Natalija Valentin

 

Erwan Tacher                                                 Caspar Krieger

 

Erwan Tacher                                                 Caspar Krieger

Erwan Tacher                                                      Caspar Krieger

 

Erwan Tacher                                                   Caspar Krieger

Erwan Tacher                              Hussein Atfa

Sarkis Mzikyan

Erwan Tacher